Karoline Gruber | Opernregie

  • Universität der Künste Berlin 2010
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  • Mozarteum Salzburg 2016 (© Christian Schneider)
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  • Mozarteum Salzburg 2016 (© Christian Schneider)
  • Mozarteum Salzburg 2016 (© Christian Schneider)
  • Mozarteum Salzburg 2016 (© Christian Schneider)
Francis Poulenc
Dialogues des Carmélites
2016 : Mozarteum Salzburg
Dirigent: Kai Röhrig
Bühnenbild: Martin Hickmann
Kostüme: Marion Käfer
2010 : Universität der Künste Berlin
Dirigent: Errico Fresis
Bühnenbild: Jenny Wjertzoch
Kostüme: Lisa Schwarz
Presse

UNIVERSITÄT MOZARTEUM / DIALOGUES DES CARMÉLITES

16/06/16 Im Jahr 1794 zogen sechzehn zum Tod verurteilte Karmelitinnen aus Compiègne singend aufs Schafott. Die Opernabteilung der Universität Mozarteum zeigte mit der Oper „Dialogues des Carmélites“ die Schrecken der französischen Revolution und präsentierte sich wie gewohnt: in allen Belangen überzeugend und mitreißend.

Von Thomas Weiss

Eine Verbindung aus Religion und Revolution ist es, die die 1957 an der Mailänder Scala uraufgeführte Oper des Franzosen Francis Poulenc prägt. Unter der Regie von Karoline Gruber, die seit 2014 die Professur im Fach „Musikdramatische Darstellung“ an der Universität Mozarteum inne hat, zeigten die Studierenden die auf wahren historischen Fakten basierende Geschichte aus der Zeit der französischen Revolution. Es war vor allem eine bewegende Schilderung rund um Angst, Verzweiflung, Mut und Fanatismus. Geprägt durch ihre „Angst vor der Angst“ tritt Blanche de la Force, die Tochter eines Adeligen inmitten der französischen Revolution in das örtliche Karmelitinnenkloster ein. In der Gemeinschaft angekommen, wird sie von der sterbenskranken Priorin de Croissy bestimmt auf das harte Leben im Kloster hingewiesen. Nach nur kurzer Zeit liegt die Priorin im Sterben. Vor ihrem Tod hat diese aber noch eine Vision: Das Kloster wird zerstört und alle Schwestern werden sterben. Alice Hoffmann, als die gebrechliche und kranke Madame de Croissy, überzeugt rundum. Mit viel schauspielerischem Talent zeigt sie eine besorgte und vom Tod beängstigte Priorin, am ganzen Körper zitternd und in gebückter Haltung auf Krücken. Vor allem glänzen aber Jennie Lomm als Blanche, die ihre Rolle mit viel Energie und facettenreicher Stimme erfüllte, und Julia Rath, als Mère Marie, die mit kraftvoller Stimme überzeugte. Die Ruhe und Abgeschiedenheit des Klosters wird im zweiten Akt immer mehr vom revolutionären Volk bedroht. Schließlich dringt dieses in das Kloster ein und man befiehlt dessen Räumung. Die Schwestern aber wollen bleiben. Als die Studentinnen des Mozarteums als Karmelitinnen hier singend zu Gott beteten, erzeugten die sechzehn Frauenstimmen im Chor mit einfühlsamem lateinischem Gesang schlichtweg Gänsehaut. Das Kloster liegt schließlich in Trümmern und die Schwestern beschließen den Weg des Opfertodes zu gehen. Bevor die Polizeioffiziere den Schwestern befehlen, das Kloster zu verlassen und weltliche Kleidung anzulegen, gelingt es Blanche zu fliehen. Da sich die restlichen Nonnen schließlich aber weigern, ihre Gemeinschaft aufzulösen und zivile Kleidung zu tragen, werden sie ins Gefängnis gebracht und bereiten sich auf den bevorstehenden Tod vor. Auch Blanche drängt sich in die Menschenmenge und geht mit ihren Schwestern in den Tod. Vor allem im dritten Akt inszeniert Karoline Gruber ein schauderhaftes, von Verbrechen und der Angst vor dem Tod geprägtes Bild. Eine emotionale Schlussszene entsteht, in der der Gesang der Schwestern nach und nach verstummt: die singenden Karmelitinnen werden der Reihe nach erschossen. Das Bühnenbild von Martin Hickmann ist schlichtweg großartig – mit wenig Aufwand gelingt es, große Effekte zu erzeugen. Der Bühnenraum wirkt wie eine dreidimensionale Zeichnung wirkte. Mithilfe des Lichtes werden großartige Effekte erzeugt: etwa bei der Bedrohung durch Revolutionäre, die scheinbar um das Kloster huschen und deren Schatten immer wieder groß in den Raum geworfen werden. Die Uniformen, Dienstkleidungen und Ordenskleider von Marion Käfer tragen ihren Teil dazu bei, dass man sich wirklich in die Zeit der französischen Revolution zurückversetzt fühlte: eine gelungene Mischung aus aufwändigen und einfachen Kreationen. Kai Röhrig hat sein Orchester fest im Griff, und das ist auch notwendig im beständigen Hin und Her zwischen wilden Ausbrüchen und verträumten lyrischen Passagen. Schmetternden Einwürfen und krachenden Effekten stehen glänzend ausgespielte Soli in den Holzbläsern gegenüber. Die Musik von Francis Poulenc trägt ständig einen bedrohlichen Unterton in sich. Dem Orchester gelang es vor allem durch das Ausreizen der dynamischen Spannweite und äußerster Disziplin, die Ereignisse auf der Bühne zu überhöhen. Die Verbindung zwischen Orchester und Bühne funktioniert außerordentlich gut. Man kann nur allen Beteiligten zu einer herausragenden Produktion im Stile eines großen Opernhauses gratulieren.