Karoline Gruber | Opernregie

  • Biwako Opera Japan 2007
  • Biwako Opera Japan 2007
  • Biwako Opera Japan 2007
  • Biwako Opera Japan 2007
  • Biwako Opera Japan 2007
  • Biwako Opera Japan 2007
  • Biwako Opera Japan 2007
  • Biwako Opera Japan 2007
  • Biwako Opera Japan 2007
Richard Strauss
Salome
2009 : Teatro Nacional de São Carlos Lissabon
Dirigent: Julia Jones
Ausstattung: Hermann Feuchter
Besetzung: Nancy Gustafson, Carlos Guilherme, Graciela Araya, Jason Howard, Musa Nkuna
2007 : Biwako Opera Japan
Dirigent: Ryusuke Numajiri
Ausstattung: Hermann Feuchter
Besetzung: Jun Takahashi, Yumi Koyama, Chiho Oiwa, Hideto Ihara, Hiroyuki Yoshida, Kumiko Kobayashi
1993 : Volkstheater Rostock
Dirigent: Peter Aderhold
Ausstattung: Angela Zimmermann
Presse

...Gruber liefert denn auch keine übliche Variante einer von der Fin- de-Siècle-Schwüle aufgeladenen Geschichte über die Liebe, die so bitter schmeckt, weil die gefährliche Kindfrau nur den abgeschlagenen Kopf des Jochanaan küssen kann. Sie versucht vor allem, der dahinter liegenden Geschichte von Obsessionen und Verdrängungen näher zu kommen, die einer Figurenkonstellation die Orientierung geben, bei der weder sexuelle Erfüllung, noch ein gemeinsames Leben denkbar sind.

Es gibt eine berührende Szene, in der jeder, halb traumverloren, auf den weist, den er eigentlich begehrt. Der Page auf Narraboth, der auf Salome, die wiederum auf Jochanaan und der auf den Pagen. Ein Ringelreihn der Unmöglichkeiten. Was schon dadurch im Momenthaften bleibt, dass Salome hier sowohl Narraboth als auch den Pagen mit dem Messer ersticht. Für dieses schreckliche Kind bedarf es dann schon der Verdoppelung. Dem mörderischen Mädchen mit der rosa Strickjacke über der weißen Bluse und den blonden Zöpfen, das Nancy Gustafson überzeugend spielt, ist ein kindliches Double beigegeben: Auch die Schlimmste war mal ein unschuldiges Kind, das höchstens mal seiner Puppe den Kopf abreißt. Wenn aber Salome das tut, dann ist das eine Ankündigung und hat blutige Folgen.

Dieser Versuch, dem Warum nachzuspüren, kulminiert in einem verblüffend gegen den Strich gebürsteten Tanz. Die Bühne von Hermann Feuchter zeigt einen Spielplatz mit Sandkasten, Schaukel, Klettergerüst und mit Fenstern, die zwischen archaischen Waben und simpler Platte changieren. Die Spur, die der verdächtig sich dort herumdrückende Mann in legt, mündet nicht in einem entsprechend illustrierenden Tanz vorm lüsternen Stiefvater, sondern in einer naiven Heile-Welt-und-Intakte-Familie-Fantasie. Da ist der halbseidene, sich auch schon mal mit Dessous behängende Herodes plötzlich der liebevolle Papi und liebestolle Herodias die treusorgende Mami. Da gibt es für ein glückliches Kind eine Geburtstagstorte und gemeinsames ausgelassenes Spielen. Bis dieser Verschleierungs-Traum plötzlich, geradezu kafkaesk umschlägt und insektenartige Alptraumwesen aus dem Fenster schauen und über Salome herfallen...

Frankfurter Rundschau